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Wie macht man eigentlich ein virales KI-Video?

  • Nik Thomi
  • 26. März
  • 3 Min. Lesezeit

Der Social-Media-Kanal Chloe VS History geht derzeit viral, und das mit erstaunlicher Geschwindigkeit: Über 600'000 Follower bei gerade einmal 21 veröffentlichten Reels.

In den Clips reist die junge Amerikanerin Chloe durch verschiedene Epochen der Weltgeschichte, von der Antike über das viktorianische London, den mittelalterlichen Hexenprozessen bis hin zu Szenarien wie dem antiken Pompeji kurz vor dem Vulkanausbruch. Die Inszenierung wirkt dabei so realistisch, dass sich viele fragen, wie man ein solches Video macht und ob diese Chloe eigentlich echt ist.



Eine Recherche des britischen Nachrichtensenders Sky News bringt nun Klarheit: Hinter dem Kanal steckt kein Produktionsteam, sondern Jonathan, ein ehemaliger Kundendienstmitarbeiter aus der englischen Provinz Gloucestershire. Er erstellt sämtliche Inhalte selbst, und zwar vollständig mit Hilfe von KI. Und ja: Auch die Figur «Chloe» ist nicht real, sondern komplett künstlich generiert.



In Kürze:

  • Chloe VS History ist ein viraler Instagram-Kanal mit einer komplett KI-generierten Figur.

  • Ein einzelner Creator produziert alle Videos mit drei Tools: Nano Banana Pro (Google), Claude (Anthropic) und Seedance 2.0 (ByteDance).

  • Der Workflow folgt drei klaren Schritten: Figur erschaffen, Skript generieren, Video animieren.



So entsteht ein KI-Zeitreisevideo: Die drei Tools im Überblick

Schritt 1: Die Figur

Jonathan hat «Chloe» mithilfe von Nano Banana Pro erstellt. Das ist Googles Highend-KI-Bildgenerator, der direkt über die Gemini-App zugänglich ist. Du beschreibst das gewünschte Aussehen einer Person per Text, das Tool generiert fotorealistische Bilder.

Schritt 2: Das Drehbuch

Hier kommt Claude ins Spiel, das KI-Sprachmodell von Anthropic. Jonathan nutzt Claude, um sogenannte Master-Prompts zu erstellen: detaillierte Anweisungen, die definieren, wie Chloe spricht, reagiert und was sie in einer bestimmten Szene sagt. Beispiel: «Schreib mir einen Monolog, wie Chloe kurz vor dem Ausbruch des Vesuvs in Pompeji ankommt.» Den fertigen Text liefert Claude in Sekunden.

Schritt 3: Die Animation

Bilder und Texte werden in Seedance 2.0 hochgeladen, einem Video-Modell des chinesischen Unternehmens ByteDance, dem Mutterkonzern von TikTok. Das Tool verwandelt Standbilder in kurze, flüssige Videoclips, inklusive realistischer Mimik und Emotion. Zugänglich ist Seedance 2.0 über die Plattform Higgsfield.ai, allerdings nur mit einem Bezahl-Abo.


Was kostet so ein Video?

Auch wenn zur Erstellung eines Videos nur drei Tools zum Einsatz kommen, ist der Prozess anspruchsvoll. Konsistenz ist das grösste Problem: Damit eine Figur über viele Videos hinweg gleich aussieht, braucht es präzise Referenzbilder und viel Feinarbeit. Jonathan erwähnt im Video selbst, dass er die Tattoos auf den Armen der Figur bereut, weil sie so schwer konsistent zu halten sind. Die grösste Investition sind demnach nicht die Kosten für KI-Tools, sondern die Arbeitszeit: Ausarbeitung, Qualitätskontrolle, Nachbearbeitung. Jedes Video braucht viele Versuche, bis alles stimmt.


Die effektiven Kosten für die KI-Tools:

  • Nano Banana Pro: Für ein einzelnes Video braucht man realistischerweise mehrere Dutzend Bilder, weil viele Details nicht auf Anhieb funktionieren. Die 2 täglichen Gratis-Bilder in der Basis-Variante der Gemini-App reichen dafür nicht. Das günstigste Gemini-Abo kostet 7.99 Dollar pro Monat. Damit lassen sich täglich rund 50 Nano-Banana-Pro-Bilder erstellen.

  • Claude: kostenlos in der Basisversion nutzbar. Das Nutzungslimit ist aber schneller erreicht als beispielsweise bei der Gratis-Version von ChatGPT. Das günstigste Abo kostet 20 Dollar pro Monat.

  • Seedance 2.0: zugänglich über Higgsfield.ai, ab 29 Dollar pro Monat. Darin enthalten sind 1'200 Credits. Ein 6-Sekunden-Clip kostet 60 Credits, also rund 1.45 Dollar.



Fazit

Chloe VS History ist nicht nur deshalb viral gegangen, weil die technischen Möglichkeiten verblüffen, sondern weil die Idee den Nerv der Zeit trifft. Eine Zeitreisende, die scheinbar authentisch durch ikonische Epochen wandert, bindet sofort Aufmerksamkeit.


Jonathan war Kundendienstmitarbeiter, fing in seiner Freizeit an, mit KI-Tools zu experimentieren, und macht das heute hauptberuflich. Er sitzt in einem Heimbüro in der englischen Provinz und produziert Videos, die Millionen Menschen schauen. KI war das Werkzeug, die Idee war seine. Das zeigt: KI erweitert den Handlungsspielraum für Menschen mit Visionen, insbesondere für jene, die bisher keinen Zugang zu klassischen Produktionsmitteln hatten. Was vor wenigen Jahren noch wie Science-Fiction wirkte, ist heute mit überschaubaren Mitteln möglich. Wenn heute bereits ein Einzelner solche Videos produzieren kann: Wie lange dauert es noch, bis ganze Spielfilme auf ähnliche Weise entstehen? Die Sorgen der Filmindustrie wirken vor diesem Hintergrund zunehmend nachvollziehbar.




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