top of page

Back to the Future: Die KI aus dem letzten Jahrhundert

  • Nik Thomi
  • 6. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Bild: ChatGPT


Wer sich je gewünscht hat, ein Gespräch mit jemandem aus der Vergangenheit zu führen, bekommt mit talkie seit Kurzem eine unerwartete Möglichkeit dazu. talkie ist ein KI-Modell, das ausschliesslich auf historischen Texten aus der Zeit vor 1931 trainiert wurde: Bücher, Zeitungen, wissenschaftliche Journale, Patente und Gerichtsakten. Albert Einstein ist in seinem Weltbild ein weltberühmter, praktizierender Wissenschaftler, einen zweiten Weltkrieg hält talkie für unwahrscheinlich und das Wort «Internet» bezieht sich in seinem Verständnis auf den internationalen Informationsaustausch («interconnected networks»).


Hinter talkie steht ein Forschungsteam um Alec Radford, ein Mitentwickler von ChatGPT.




In Kürze:

  • talkie ist ein Sprachmodell mit 13 Milliarden Parametern, trainiert ausschliesslich auf englischsprachigen Texten aus der Zeit vor 1931.

  • Das Modell kennt keine Ereignisse nach dem 31. Dezember 1930 und wurde bewusst von modernen Internetdaten ferngehalten.

  • Ziel ist Grundlagenforschung: Was lernt eine KI tatsächlich, wenn das Internet nicht zur Verfügung steht?


Ein Sprachmodell, dem das Internet fehlt

Sprachmodelle lernen, indem sie riesige Mengen an Text verarbeiten. Das Problem mit modernen KI-Systemen: Sie wurden fast alle auf denselben Quellen trainiert, nämlich dem heutigen Internet. Das macht es schwierig herauszufinden, ob ein Modell wirklich etwas versteht oder ob es nur Informationen aus dem Training wiederholt. Forscher nennen dieses Problem Kontamination.


talkie umgeht es auf radikale Weise. Das Modell wurde auf rund 260 Milliarden Textsymbolen historischer Quellen trainiert, alle vor 1931. Dadurch lässt sich testen, ob ein KI-Modell tatsächlich neue Konzepte erlernen kann oder nur bekannte Muster wiederholt.


In frühen Tests zeigte talkie überraschende Ansätze: Es kann einfache Programme schreiben, obwohl es nie etwas über digitale Computer gelesen hat. Die Lösungen sind rudimentär, aber das Prinzip funktioniert.


So stellt sich talkie das Jahr 2026 vor

Im Jahr 2026 wird die Welt wahrscheinlich ein viel ruhigerer und friedlicherer Ort sein als heute. Kriege werden aufgehört haben, und stehende Heere werden aufgelöst worden sein. Die Nationen werden gelernt haben, friedlich miteinander zu leben, und internationale Streitigkeiten werden einem Schiedsgericht vorgelegt werden. Die Erde wird überall wie ein Garten bewirtschaftet werden und der dicht besiedelten Menschheit reichlich Nahrung liefern. Die großen Städte von heute werden zu riesigen Gebäudekomplexen geworden sein, doch die Behausungen der Menschen werden von Feldern und Gärten durchsetzt sein, und das gesamte Land wird mit Weilern und Dörfern übersät sein. Die Verbindung zwischen Stadt und Land wird einfach und schnell sein. Anstelle des derzeitigen verstreuten und unregelmäßigen Eisenbahnnetzes wird es ein universelles Schnellverkehrssystem geben, das den gesamten europäischen Kontinent durchzieht und ihn wahrscheinlich mit Amerika verbindet. Die Druckkunst wird weiter vervollkommnet worden sein, und allgemeine Bildung wird zur Regel geworden sein. In der Religion werden die Unterschiede zwischen den Konfessionen geringer geworden sein, und alle Christen werden enger vereint sein. Die Wissenschaft wird enorme Fortschritte gemacht haben, und die Welt wird ein weitaus angenehmerer und gesünderer Ort zum Leben sein als heute. Der Globus selbst wird vollständig kartografiert und erforscht sein, und die Menschen werden gelernt haben, seine Ödlandgebiete gewinnbringend zu nutzen. So wird die Welt in groben Zügen wahrscheinlich in hundert Jahren aussehen.


Wichtig zu wissen

talkie schneidet in Standard-Tests logischerweise schwächer ab als moderne Sprachmodelle. Das Forschungsteam weist zudem ausdrücklich darauf hin, dass talkie Texte produzieren kann, die nach heutigen Massstäben verletzend wirken. Ausserdem ist das Modell derzeit auf Englisch beschränkt, auch wenn eine Erweiterung auf weitere Sprachen geplant ist.


Fazit

talkie ist kein Konkurrenzprodukt zu ChatGPT oder Claude. Es ist ein Forschungswerkzeug, das eine Frage beantwortet, die normale KI-Systeme nicht beantworten können: Wie viel versteht eine KI wirklich, wenn man ihr den Spickzettel wegnimmt? Je besser wir verstehen, wie KI-Modelle lernen, desto klarer wird, ob sie uns wirklich verstehen oder nur gut klingen.



Lieber mehr Zukunft als Vergangenheit?


Kein Problem! In unseren KI-Workshops zeigen wir dir, was die aktuellen Tools wirklich leisten, wo ihre Grenzen sind und wie du heute damit anfängst – ohne Vorkenntnisse, aber mit echtem Mehrwert.

Kontaktiere uns unverbindlich. Weitere Infos zu unseren KI-Workshops findest du hier.



 
 
 

Kommentare


bottom of page