Am 19. und 23. September 2026 wurde die Kanderarena Mülenen zum Schauplatz zweier besonderer Konzertabende. Ich durfte die Kommunikationsleitung übernehmen – von der Planung bis zur Content-Produktion. Ein persönlicher Rückblick auf ein Projekt, das mich begeistert und gefordert hat.

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Alles begann am Freitag, 8. Mai 2026, mit einer weitergeleiteten Sprachnachricht von Reto Grossen, dem Geschäftsleiter, Ideenschmied und Kultur-Dirigent des Vereins Kander Kultur. In der Sprachnachricht niemand Geringeres als die Managerin von Manu Chao. Offensichtlich hat es ihnen beim letzten Mal so gut gefallen, dass sie nun zwei exklusive Schweizer Konzerte mit Kander Kultur und der Mühle Hunziken anreissen wollten. Ab diesem Moment laufen die Verhandlungen um Locations und Daten, und mir ist ziemlich schnell klar: Da wird etwas Grosses zustande kommen und viel Zeit für die Umsetzung bleibt uns nicht.

So startete zwei Monate später bereits der Vorverkauf. Mit einer völlig neuen Location, nämlich einer Viehhalle (ja, wirklich), und entsprechend mit völlig neuen Herausforderungen. Beworben haben wir dabei: nichts. Kein Plakat, keine Flyer, kein Social Media. Stattdessen informierten wir von innen nach aussen: Zuerst die Personen, die von den letzten Konzerten noch auf der Warteliste standen, dann unsere Mitglieder, dann die Newsletter-Abonnent:innen und erst zwei Tage vor dem Start die Öffentlichkeit. Das hatte einen guten Grund: Sonst hätten sich dubiose Weiterverkaufsplattformen die Tickets unter den Nagel gerissen.

So weit, so gut.

Die 5000 Tickets waren dann innerhalb von acht Minuten weg. Der Ticketdienstleister rief uns anschliessend an und erzählte, dass sich zum Zeitpunkt des Vorverkaufsstarts rund 18 000 Personen über den Link auf die Tickets stürzten. Crazy! Ab jetzt hiess es: Antimarketing. Denn je mehr Leute von den Konzerten Wind bekamen, desto mehr Anfragen erreichten uns. Aber es gab jetzt auch Besseres zu tun als Werbeanzeigen zu schalten, denn wir hatten zweimal ausverkauft, ohne eigentlich zu wissen, wie genau wir das Ganze umsetzen.

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Planung

Ziemlich viele Meetings und ein ziemlich voller Notion-Workspace

Jetzt mussten zahlreiche interne und externe Beteiligte koordiniert werden. Technik, Verkehr, Gastronomie, Bars, Sicherheit, Veranstalter, Künstler:innen und Helfer:innen – alle Bereiche lieferten Informationen, die für eine funktionierende Kommunikation wichtig waren. Dabei ging es für mich vor allem darum, sämtliche Berührungspunkte mit den Besucher:innen mitzudenken: Was müssen sie vor, während und nach den Konzerten wissen?

Dies war im Nachhinein insgesamt auch die grösste Herausforderung: die externen Abhängigkeiten. Viele Kommunikationsmittel lassen sich erst dann umsetzen, wenn die entsprechenden Informationen aus den jeweiligen Bereichen vorliegen. Und für die hatte die Kommunikation oft alles andere als Priorität, denn sie waren sonst im Seich. Ich kam bei ihnen natürlich auch mit vielen Details an, denn genau diese bestimmen am Ende oft darüber, ob ein Event reibungslos funktioniert.

Besucherkommunikation

Informationen, die wirklich weiterhelfen

Nachdem das getan war, drehte sich ein grosser Teil meiner Arbeit um die Kommunikation mit den Ticketkäufer:innen. Bei 5000 Besucher:innen gibt es Einiges zu beachten – und vor allem Einiges zu erklären. Mein Anspruch war dabei immer derselbe: Die Kommunikation soll nicht einfach Informationen abladen, sondern den Menschen helfen, sich auf den Konzertabend zu freuen und möglichst unkompliziert durch den Tag zu kommen.

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Signaletik

Zweck über Ästhetik

Bei Veranstaltungen dieser Grösse fällt einiges an Besucherlenkung an. Nicht nur auf dem Konzertgelände, sondern bereits bei der Anfahrt mit Zug, Auto, Velo. Um hier Ressourcen und Budget zu schonen, griffen wir auf Schilder von vergangenen Events zurück. Das passte nicht optimal in das Erscheinungsbild des Events, erfüllte jedoch den Zweck. Der Grafiker in mir war von dieser Lösung anfangs alles andere als begeistert. In der Umsetzung entpuppte sich das Ganze dann aber als halb so wild und zeigte mir sehr schön, dass Kommunikationsdesign nicht immer super stringent sein muss. Manchmal ist es auch einfach gut, wenn es funktioniert und niemand darüber nachdenken muss.

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Koordination vor Ort

Raus auf die Eventbaustelle

Irgendwann kommt der Moment, in dem die Planung abgeschlossen ist und es ernst wird. Die Band traf ein, die Eventtage rückten näher und aus all den Dokumenten, Plänen und To-dos wurde langsam Realität.

Zwischen langen Tagen auf der Eventbaustelle, an denen ich Schilder montierte und die verschiedenen Bereiche einrichtete, wurden wir gemeinsam mit der Band zum Znacht in die Mühle Hunziken nach Rubigen eingeladen. Ein Abend, der Crew und Band zusammenschweisste und mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Nachdem ich meine Tischfussball-Skills ausgepackt hatte, war ich für die nächste Woche bei allen nur noch «the soccer guy». Und schon war sie da, meine kleine Personenmarke für die multikulturelle Truppe aus englisch-, französisch- und spanischsprachigen Bandmitgliedern. Praktisch.

Dann kam der Moment der Wahrheit: Die Besucher:innen strömten auf das Gelände. Für mich bedeutete das, alles Geplante laufend zu überprüfen, zu koordinieren und dort zu unterstützen, wo es nötig war. Was im Vorfeld aus unzähligen Einzelaufgaben bestand, fügte sich plötzlich zu einem grossen Ganzen zusammen.

Besonders schön war es, die eigenen Vorbereitungen plötzlich im Einsatz zu sehen. Und auch wenn es zwischendurch hektisch zu und her ging: Wenn man zwischen all den Menschen steht, in viele lachende Gesichter blickt und die Energie eines solchen Abends spürt, wird einem wieder bewusst, wofür man das alles macht.

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Medienarbeit

Viel Interesse, wenig Möglichkeiten

Auch die Zusammenarbeit mit externen Medienschaffenden gehörte zu meinem Aufgabenbereich. Dazu zählten die Koordination von Medienanfragen, die Organisation der Akkreditierungen und die Abstimmung mit Zeitungen, Online-Medien und weiteren Medienpartnern. Normalerweise ringen die Künstler:innen (oder dann sicher ihre Labels) um so viel Medienpräsenz wie möglich. Bei Manu Chao war auch hier wieder alles ein wenig anders. Keine Interviews, keine Berichte, keine Treffen – nada. Also, schon wieder Antimarketing. Selbst das SRF meldete sich mit dem Wunsch nach einer Reportage. Die Antwort? Geht nicht, sorry. Aber merci gell.

Die Herausforderung bestand darin, den Medienschaffenden trotzdem eine möglichst gute Berichterstattung zu ermöglichen und gleichzeitig die Vorgaben des Künstlermanagements einzuhalten. Denn natürlich sollte die Geschichte dieser beiden Konzertabende auch ihren Weg nach draussen finden. Wir setzten jedoch eher auf unsere eigenen Kanäle. Dort hatten wir deutlich mehr Freiraum.

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Content-Produktion

Emociones

Bei einem Konzert mit dieser Energie entstehen Bilder und Momente, die man nicht planen oder inszenieren kann: Freude, Begeisterung, tanzende Menschen, Begegnungen und die besondere Stimmung vor und auf der Bühne.

Für die Content-Produktion arbeiteten wir mit externen Foto- und Videograf:innen zusammen. Lediglich die Videobotschaft im Vorfeld hatten wir unkompliziert selbst am Handy zusammengeschnipselt. Dazu kam, dass einer der vom Künstlermanagement freigegebenen Fotografen krankheitsbedingt ausfiel. Deshalb griff ich beim zweiten Konzert kurzerhand selbst noch zur Kamera.

Neben der Qualität der Bilder war hier vor allem die Zeit ein entscheidender Faktor. Je näher am Event die Bilder ihren Weg in die Welt finden, desto besser. Die ersten Aufnahmen wurden noch während der Konzertabende bearbeitet und veröffentlicht. Einmal veröffentlichte ich im Eifer des Gefechts sogar ein Video, ohne vorher die Freigabe des Managements einzuholen. Zum Glück war der gute Draht zu den Künstlern da – sie feierten das Video und der kleine Fauxpas war schnell vergessen.

Zeitnahe Veröffentlichung hin oder her: Die Bilder sind für mich besonders wertvoll, weil sie Erinnerung festhält und weit über den Moment hinaus weiterleben lässt. Es macht schon Freude, sich später die Bilder anzuschauen und nochmals zu sehen, wie viel Energie an diesen Abenden in dieser Viehhalle herrschte.

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Merchandising

Mehr als nur ein Shirt

Unsere Shirts sollten einerseits Teil des Salärs unserer Mitarbeitenden sein und andererseits zum Verkauf angeboten werden. Gleichzeitig galt es, eine besondere Herausforderung zu meistern: Das Design sollte die Energie und den Stil von Manu Chao aufgreifen, durfte aber keinerlei Bezug zum Künstler oder zur Band enthalten, da diese vor Ort einen eigenen Merch-Stand betrieben.

Entstanden ist ein eigenständiges Shirt mit einer klaren Botschaft: «better together» auf der Vorderseite und «good vibes only» auf dem Rücken. Die beiden Statements waren nicht nur gestalterische Elemente, sondern bewusst auch Teil der Kommunikation. Sie sollten eine präventive Wirkung entfalten und die Besucher:innen für ein friedliches, respektvolles Miteinander sensibilisieren. Gleichzeitig bringen sie den Kern von Kander Kultur auf den Punkt: Menschen zusammenbringen, Begegnungen ermöglichen und gemeinsam Kultur erleben. Werte, die auch hervorragend zur Haltung und Musik von Manu Chao passen.

Die Shirts sind nachhaltig produziert und wurden von Adistribution in Walperswil von Hand bedruckt und bestickt. Dass sich nicht nur die Besucher:innen, sondern auch der Hersteller und die Band selbst um die Shirts bemühten, war für mich natürlich eine besondere Freude. Ein schönes Beispiel dafür, wie aus einer funktionalen Idee ein begehrtes Produkt mit einer starken Botschaft werden kann.

Am Ende bleiben die Erinnerungen

Ich könnte hier nun schreiben, wie unglaublich wertvoll dieses Projekt für meine persönliche und berufliche Entwicklung war und was ich daraus gelernt habe. Und Tino würde es dann an unsere «Linkedin Wall of Shame» hängen. Aber da bleibe ich doch lieber gleich beim Antimarketing und bedanke mich einfach bei allen Menschen, die mitgezogen haben, die Begegnungen hinter den Kulissen und natürlich für zwei Konzertabende, die ich so schnell nicht vergessen werde.

Und falls Manu Chao irgendwann wieder anruft, erfahrt ihr es bestimmt nicht von einem Plakat.

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Credits:

Gesamtverantwortung:

Veranstaltungs- & Promotionspartner:

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Key Visual:

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Video:

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Photo:

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Ein besonderer Dank an Reto Grossen (Kander Kultur), für die minutiöse Organisation. Chrigu, Ilona, Lea und dem ganzen Mühli-Team für die grosszügige Unterstützung. #bettertogether

Wer teilt, gewinnt (Sympathiepunkte)
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